• Robin Wolf

Was bisher geschah...

Der erste Monat ging rum wie im Flug. Wir dachten wir fahren los und alles läuft wie am Schnürchen. Schließlich waren wir schon ein paar Monate unterwegs. Aber nur wenige Wochen in unserer WG lies uns den winzigen Raum, das Zähneputzen im Sitzen und das Kochen mit nur zwei Flammen vergessen. Die Entschleunigung holte uns schneller ein, als der ICE von Kassel nach Frankfurt. Da merkten wir ein weiteres Mal, wie komfortabel wir in unseren schicken Häusern mit fliesendem Wasser leben. Aber genug der negativen Worte. So wie ich hier schreibe, könnte man meinen, ich fände Entschleunigung schlecht. Nichts dergleichen ist der Fall. Ich liebe sie. Jeden Morgen drei Stunden mir für die Morgenroutine zeit lassen zu können ist für mich ein Segen. Kein auf die Uhr schauen, weil wir zur Arbeit müssen, kein Wecker den wir lieber ignorieren wollen, kein Zeitdruck. Nur frei sein.


Auch unsere Tolleranzgrenze wächst jeden Tag mehr. Was uns noch vor zwei Monaten auf die Palme brachte, stecken wir heute mit einem müden Gähnen weg. Scheiß Stellplatz? Dann gehts halt weiter. Wie ein Läufer Kondition aufbaut, wächst bei uns die Fähig, die Dinge so anzunehmen, wie sie eben sind. Ich behaupte jeder nicht All-Inclusive Urlauber weiß, wovon ich hier schreibe.


Eins unserer absoluten Highlights auf diesem Trip, womit wir niemals gerechnet hätten sind Vanessa und Max. Über Asien und Schweden führte ihr Weg auf einen schmutzigen Parkplatz irgendwo kurz vor Venedig. Wir fuhren auf den Parkplatz und sahen wie sie dort standen. Weißer Transport mit Solarpanelen auf dem Dach ist ein eindeutiges Zeichen für Gleichgesinnte. Wir trafen bereits viele Menschen auf unserer Reise, aber es hat noch nie so gepasst wie mit den beiden. Quasi Arsch auf Eimer. Aber ich eile voraus. Wir verbrachten die Nacht auf dem gleichen Parkplatz ungefähr dreißig Meter voneinander entfernt. An unserem Ankunftstag war von den beiden nichts zu sehen. Wir schauten an dem Abend einen Film und gingen früh schlafen. Am nächsten Morgen sahen wir die beiden zum ersten Mal, wie sie mit offner Schiebetür Ordnung machten. Wir zogen uns Schuhe an und wollten gerade hin gehen, da startete ihr Motor und die beiden fuhren davon. Enttäuscht zogen wir uns ins Innere zurück und begannen zu frühstücken, bis es plötzlich an unserer Tür klopfte. Es war der Mann, der eben in dem weißen Ducato davon fuhr. Ich zog die Tür auf und er erklärte uns, dass die Höhenbegrenzung, die am vorigen Tag noch offen stand, heute mit einer Stahlkette gesichert und zu wäre. Deswegen kamen die beiden nicht vom Parkplatz weg. Ich stieg aus und machte mir selber ein Bild davon. Die Höhenegrenzung war zu und wir in der Falle. Ich ging zurück zum Van, da standen Vanessa, Max und Isabell bereits zusammen. Sie redeten, als ob sie sich bereits ewig kennen würden. Nach dreißig Minuten voller Gelächter stellten wir fest, dass unser nächstes Ziel auch das gleiche war. Ein Campingplatz in der Nähe von Venedig. Die Höhenbegrenzung war wieder offen und die beiden fuhren voraus. Wir kamen am Nachmittags hinterher und trafen uns auf dem Campingplatz wieder. Wir verbrachten zwei Tage zusammen in Venedig, tranken Negroni und aßen zu viel Pizza. Es waren zwei wundervolle Tage. Wir fuhren mit der Sicherheit uns bald wieder zu sehen vom Platz.